Montag, 4. April 2011
Das Osterwunder
Wieviel war dieser Mensch wert?


Warum feiern wir eigentlich Ostern? Das Frühjahr beginnt, die Bäume treiben wieder Knospen aus und das Ei als Symbol der Fruchtbarkeit und Entstehung von Leben wird als Geschenk weitergereicht. Was hat das alles mit Gott und Seiner Liebe zu uns zu tun?
Wenn ich mich frage, ob mich jemand liebt, dann kann ich das heute mit einem deutlichen „Ja“ beantworten. Warum? Nun, zum einen sind da zwei Menschen sich in Liebe begegnet und haben mich gezeugt. Das heißt, sie sind Zeuge geworden dessen, was es bedeutet, von einem noch keinerlei Verantwortung tragenden Kind zu einem Erwachsenen aufzusteigen und selbst ein Kind in die Welt zu setzen; es zu behüten, zu nähren, es zu lehren und es letztlich dann auch wieder loszulassen. So entsteht ein Bogen der Liebe und Begleitung, welcher sich über die Entstehung eines Menschen breitet und ihm den Weg weist, diese Tradition, das Geschenk des Lebens weiterzutragen von Generation zu Generation. Zum anderen sehe ich:
Dieses Leben ein ganzes Leben lang zu begleiten und die Liebe aufrecht zu erhalten, dazu bedarf es einer Kraft, die weiter geht als das, was ein Mensch sich vorstellen und bewahren kann.
Wir Christen nennen das Segen.
Deshalb ist ein Mensch vor zweitausend Jahren in diese Welt gekommen, der ein „anderes Programm“ und den Auftrag hatte, von einem Vater im Himmel zu reden, dessen Liebe die Liebe eines menschlichen Vaters noch übersteigt.
Der Konstrukteur, der Schöpfer schickte einen Boten mit einer Besonderheit auf diese Erde:
Dieser Bote hatte eine Macht, welche nicht von dieser Welt ist, eine himmlische Macht.
Das wurde einigen, die Ihm gefolgt sind und die Ihn sehen und sein Werk verfolgen konnten, deutlich. Dadurch wurde eine Bewegung von immensem Ausmaß in Gang gesetzt. Er zeigte uns, was es heißt, wirklich zu lieben und Verantwortung zu übernehmen.
Früher glaubten die Menschen, es gäbe nach dem Tod ein Schattenreich, eine "Scheol". Und alle, die im Gericht nicht bestehen, würden dort hingeschickt.
Die Ursache für einen solchen Glauben, meine ich, sei im Schöpfungsbericht, und dort in der Geschichte vom Sündenfall - von Adam und Eva - zu finden.
Der Fluch der auf beide fiel, wird durch Jesus Christus und seinen Tod zum Segen verwandelt.
Die frühe mittelalterliche Kirche machte dem Volk mit dem Fegefeuer Angst und kassierte Unsummen von Geld, um einen Brief zu erhalten, mit welchem die Seele aus diesem Feuer erlöst werden könnte.
Dr. Martin Luther war das ein Dorn im Auge und Anlass, gegen den Ablass und andere Missstände in der Kirche seine zunächst 97 Thesen zu verfassen und später 95 davon öffentlich zu machen.
Das Osterwunder besteht darin, dass es einem gelungen ist, diese Scheol zu durchqueren und am dritten Tag nach seiner Hinrichtung am Kreuz seinen Jüngern und engsten Gefolgsleuten sichtbar und offenbar auch spürbar zu erscheinen, um ihnen zu sagen: „Wer an mich glaubt und an das, was ich euch gesagt habe, der kommt nicht ins Gericht.“
Was bedeutet das? Und welche Auswirkungen könnte das für uns heute haben – bezüglich der Liebe und Begleitung, der Übernahme von Verantwortung für dieses Leben?
Wunder gehen über unser Verstehen. Dort, wo alles wund ist, dort, wo die größte Wunde unseres Lebens, der Tod, welcher uns alle erwartet, steht, dort ist auch Jesus Christus als der, welcher uns vorangegangen ist. Wir kennen Ihn nicht, haben Ihn nie gesehen. Aber wir haben Zeugen. Zeugen der Liebe, welche vor uns waren und diesen Glauben, dass es möglich ist, durch die Scheol zu kommen, bezeugt und letztlich dann auch erlebt haben.
Diese grenzenlose Liebe wird einem Menschen nur dann möglich, wenn er sich nicht mehr auf sich und seine eigene Kraft, sondern auf Gott allein verlässt. Hilfe, dort, wo keine Hilfe mehr möglich scheint und Liebe, dort wo menschliche Kraft versagt; das ist das Geheimnis des Glaubens, welches wir in dem Satz bekennen: „Deinen Tod, oh Herr, verkünden wir, und Deine Auferstehung preisen wir, bis Du kommst in Herrlichkeit!“
Der höchste Zweifel, den ein Mensch erleben kann – ungeliebt und völlig getrennt zu sein –, den hat Jesus Christus am Kreuz erlebt. Seine letzten Worte am Kreuz sollen gewesen sein: „Eloï, Eloï, lema sabachtani?“, das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ein Verlassensein in der Stunde des Todes – eine unvorstellbare Situation, voll von Angst besetzt, wenn es da keine Begleitung gibt. Deshalb haben Menschen angefangen, Hospizdienste zu leisten, um diese Wunde zu schließen, diesem unglaublichen und letzten Schmerz entgegenzutreten und ihn helfen mit zu tragen. Ich habe diese Unruhe im Angesicht des Todes nur einmal bisher erlebt bei einem Krankenbesuch zweier Schwestern, von denen die eine bereits im Sterben lag.
Am besten kann ich das, was mir dort begegnete beschreiben mit dem Satz, welchen Jesus auch einmal prägte: „Da wird sein Heulen und Zähneklappen.“
Dennoch denke ich, dass der andere Satz: „Wer an mich glaubt und an den, welcher mich gesandt hat, der wird nicht ins Gericht kommen.“ wichtiger ist und genau dieser Angst, welche Heulen und Zähneklappen auslösen kann, ein Gegengewicht geben will.
Der Glaube an einen strafenden Gott beschäftigte selbst Dr. Martin Luther. Und erst das Meditieren des Satzes in der Bibel, welcher im Römerbrief 1, Vers 17 steht: "Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben;wie geschrieben steht (Habakuk 2,4): »Der Gerechte wird aus Glauben leben.", brachte ihn darauf, dass die Vaterliebe Gottes die Liebe, welche ihm sein Vater geben konnte, bei weitem übersteigt.
Und ich; Michael Lamprecht, sehe in dem, was ist, nur Konsequenzen – Folgen der Himmelsmechanik und unserer Handlungen. Aber oft erkenne ich auch eine Bewahrung vor größerem Schaden, wenn das Leben weitergeht und viele überleben. Damit, dass sich ein Mensch in den Rachen des Todes geworfen hat, ist für uns alle ein unglaubliches Zeichen für Heil und ein Verstehen in eine Richtung entstanden, welche dem Bewerten und Anhängen an Bösem und Boshaftem die Macht raubt.
Das Osterwunder ist der Glaube an das Leben und das Zeugnis: Es gibt ein Durchkommen! Es gibt ein ewiges Leben.
Und Jesus sagt zu Dir: